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DAC8: Bitcoin Austria legt Beschwerde gegen Krypto-Meldepflicht ein
Seit 1. Jänner 2026 zeichnen Krypto-Anbieter in der EU auf, wer bei ihnen Bitcoin kauft, verkauft oder überträgt. Grundlage ist die EU-Richtlinie DAC8. Der Wiener Verein Bitcoin Austria hält das für grundrechtswidrig und hat im Oktober 2026 Beschwerde eingebracht.
Was ist DAC8?
DAC8 ist die Richtlinie (EU) 2023/2226. Sie weitet den automatischen Austausch von Steuerdaten auf Kryptowerte aus. In Österreich setzt das Krypto-Meldepflichtgesetz (BGBl. I Nr. 96/2025) die Richtlinie um.
Was wird gemeldet?
- Börsen, Broker und Apps melden Identität und Jahressummen aller Käufe, Verkäufe und Übertragungen ans Finanzamt.
- Laut Bitcoin Austria umfasst die Meldung unter anderem Name, Steuernummer und Beträge (Post auf X, 2.11.2026).
- Auch Übertragungen auf die eigene Wallet zählen dazu, als Jahressumme ohne Wallet-Adressen.
- Erfasst wird seit 1. Jänner 2026. Das Jahr 2026 wird bis 31. Juli 2027 gemeldet.
- Jede Meldung bleibt zehn Jahre beim Anbieter gespeichert.
Wer klagt und wo?
Auf Initiative von Bitcoin Austria hat Rechtsanwalt Dr. Oliver Völkel (CERHA HEMPEL) die Beschwerde bei der österreichischen Datenschutzbehörde eingebracht. Er tritt dabei selbst als Kunde eines Krypto-Anbieters auf. Formal geht es um die Datenverarbeitung durch diesen Anbieter. In der Sache geht es um das Gesetz dahinter.
Die Kampagne läuft unter dac8.org. Finanziert wird das Verfahren laut Verein über Spenden.
Die Argumente
- Anlasslos: Erfasst wird jeder Kunde, ohne Verdacht. Das verletze das Grundrecht auf Datenschutz.
- Nicht nötig: Eine Übertragung auf die eigene Wallet ist für sich genommen nicht steuerpflichtig, ähnlich wie eine Bargeldbehebung.
- Es geht milder: Laut dac8.org stellen Deutschland und die Niederlande die Daten nur für Kunden zusammen, deren Daten tatsächlich ans Finanzamt gehen. Irland bewahrt sie grundsätzlich sechs statt zehn Jahre auf.
- Sicherheitsrisiko: Solche Daten gehen immer wieder verloren. Beim Wallet-Hersteller Ledger wurden 2020 Namen und Adressen von rund 272.000 Käufern öffentlich. Beim französischen Krypto-Steuerdienst Waltio gelangten 2026 Gewinne und Bestände von Kunden an Kriminelle. Aus solchen Listen werden Ziellisten für Betrug und Überfälle.
Die Forderungen: Übertragungen auf die eigene Wallet nicht mehr melden, nur erheben, was nötig ist, und kürzer speichern.
Warum das gefährlich ist: das Beispiel Frankreich
Bitcoin in der eigenen Wallet ist wie Bargeld daheim. Gefährlich wird es, wenn eine Liste verrät, wer wie viel hat. Frankreich zeigt, was dann passieren kann.
Entführung eines Ledger-Mitgründers. Im Jänner 2025 wurden Ledger-Mitgründer David Balland und seine Partnerin aus ihrem Haus in Méreau (Département Cher) entführt. Die Täter forderten Lösegeld in Kryptowährung und verstümmelten Balland eine Hand. Eine Spezialeinheit der Gendarmerie (GIGN) befreite beide. Sieben Verdächtige kamen in Untersuchungshaft. Ein Urteil ist uns nicht bekannt, es gilt die Unschuldsvermutung. Solche Überfälle auf Krypto-Besitzer nennt man „Wrench Attacks“. In Frankreich gab es seither weitere Fälle.
Daten aus dem Finanzamt. Im Juni 2025 wurde in Bobigny bei Paris eine 32-jährige Mitarbeiterin der Finanzverwaltung festgenommen. Laut Ermittlern soll sie über die Steuer-Software Adressen und persönliche Daten abgefragt und an Kriminelle weitergegeben haben. Darunter waren laut Le Parisien auch Suchen nach Krypto-Investoren. Bezahlt worden sein soll sie bar und per Western Union. Nach den Berichten hat sie zugegeben, Informationen weitergegeben zu haben. Sie sagt aber, sie habe nicht gewusst, was damit passiert. Gegen sie wird wegen krimineller Vereinigung und Beihilfe zu Gewalt ermittelt. Im Jänner 2026 lehnte das Berufungsgericht in Paris ihre Freilassung ab. Ein Urteil gibt es nach unserem Wissensstand nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Ob ihre Abfragen mit Überfällen auf Krypto-Besitzer zusammenhängen, ist nicht bekannt.
Der Punkt für DAC8: Eine zentrale Sammlung, wer wie viel Krypto bewegt, wird gespeichert, abgefragt und kann missbraucht werden. Zehn Jahre lang. Genau das macht sie zur möglichen Zielliste.
Der Rechtsweg
- Datenschutzbehörde (aktueller Stand). Sie muss das geltende Gesetz anwenden.
- Bundesverwaltungsgericht.
- Verfassungsgerichtshof. Er kann das Gesetz prüfen und die Richtlinie dem Europäischen Gerichtshof vorlegen. Einen Anspruch darauf gibt es nicht.
Wie lange das dauert, ist offen. Den Zeitplan bestimmen Behörde und Gerichte.
Gibt es ein Vorbild?
Ja. Die Vorratsdatenspeicherung verpflichtete Telefon- und Internetanbieter, Verbindungsdaten aller Kunden ohne Verdacht zu speichern. Nach einem Antrag, organisiert von AKVorrat (heute epicenter.works), legte der Verfassungsgerichtshof die Frage dem EuGH vor. Im April 2014 erklärte der EuGH die Richtlinie für ungültig, im Juni 2014 hob der VfGH die österreichischen Regeln auf.
Auch in Frankreich läuft ein Verfahren: Bull Bitcoin hat im Februar 2026 beim Conseil d’État beantragt, das französische Umsetzungsdekret aufzuheben. Eine Aussetzung im Eilverfahren lehnte das Gericht am 14. September 2026 ab. In der Hauptsache ist noch nicht entschieden.
Was heißt das für dich?
Die Meldepflicht gilt weiter. Die Beschwerde hält sie nicht auf. Anschließen kann man sich derzeit noch nicht. Bitcoin Austria klärt, wie sich Privatpersonen beteiligen können, und veröffentlicht das auf dac8.org/verfahren.
Die Bitcoin-Börse Coinfinity setzt die Meldepflicht nach eigenen Angaben vollständig um und unterstützt die Initiative. Ihren Überblick findest du im Coinfinity-Blog.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.
Quellen
- Coinfinity: DAC8-Beschwerde – Warum Bitcoin Austria gegen die Krypto-Meldepflicht vorgeht (2.11.2026)
- dac8.org: Verfahren, Rechtsweg und Presse
- Richtlinie (EU) 2023/2226 (DAC8), EUR-Lex
- Krypto-Meldepflichtgesetz, BGBl. I Nr. 96/2025 (RIS)
- Bitcoin Austria (@bitcoin_at) auf X, 2.11.2026
- Reuters: Kidnapped co-founder of French crypto firm Ledger had his hand mutilated (24.1.2025)
- RFI: French police arrest seven after brutal kidnapping of cryptocurrency entrepreneur (25.1.2025)
- Le Parisien: Une agente des impôts soupçonnée d’informer le crime organisé (3.7.2025)
- TF1 Info: Agente des impôts mise en examen (6.7.2025)
- Le Parisien: L’agente du fisc ciblait … investisseurs en cryptomonnaie (6.1.2026)